Geschichte der Obergrube
Das Gut in der „Grube ob Mehren", wie es in den alten Urkunden aus dem Mittelalter meist genannt wird, wird seit dem 13. Jahrhundert in zahlreichen Urkunden erwähnt.
Im Hochmittelalter war die „Grube“ Stammsitz der späteren "Herren von Mehrnstein". Sie besaßen das Gut in Mehrn als ihr "Eigen" und konnten so auf dem "Bergl" die Burg Mehrnstein errichten. Urkundlich erwähnt werden hier im 12/13. Jahrhundert die Herren "Adelbertus de Merenstein, Albero von Merenstein, sowie Liebhart von Merenstein. Letzterer schenkte 1230 dem Kloster Chiemsee zum Seelenheil seines Vaters ein Gut, vermutlich die Grube.
Die älteste Urkunde ist das "Urbarium Ducatus Baiuwariae posterius" aus dem Jahr 1280, in dem das Gut erstmals "In der Grube" genannt wird und Wein als Zins zu geben hatte. Die Menge wurde mit ca. 55 Litern angegeben, dies entspräche einer Produktionsmenge von ca. 550 Litern und dafür musste im 13.Jahrhundert ca. 120-250 Rebstöcke auf einer Fläche zwischen 300 m2 und 500 m2 bebaut werden.
Das 14. Jahrhundert war alles andere als eine ruhige Zeit in unserer Region. 1348 wütete die Pest, die fast die Hälfte der Bevölkerung auslöschte. 1363 kam Tirol zu Österreich an das Haus Habsburg. Es folgte ein 6-jähriger Krieg zwischen den Habsburgern und den Wittelsbachern.
An dieser Stelle sei die dramatische Klimaveränderung gegen Ende des Mittelalters erwähnt. In Tirol begann die „Kleine Eiszeit“ spürbar zwischen 1300-1350 und fällt kurz vor das Ausbrechen der Pest. Das Kima wurde erst um 1850 wieder wärmer. Die „Kleine Eiszeit“ dauerte ca. 500 Jahre, die Ursache waren mehrere zusammenwirkende Ereignisse:
- Erhöhte vulkanische Aktivität: 1257 Samalas (Indonesien), 1452/53 Kuwae (Vanuatu), 1600 Huaynaputina (Peru), 1640er Jahre: mehrere mittelgroße Eruptionen, 1815 Tambora (→ „Jahr ohne Sommer“ 1816).
- Reduzierte Sonnenaktivität: Während mehrere Jahrhunderte der Kleinen Eiszeit gab es Perioden schwacher Sonnenstrahlung: Wolf-Minimum (1280–1350), Spörer-Minimum (1460–1550), Maunder-Minimum (1645–1715) – niedrige Sonnenflecken, Dalton-Minimum (1790–1820)
- Veränderte ozeanische Strömungen (Atlantik): Besonders relevant für Europa: Abschwächung der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC), Veränderungen der Nordatlantischen Oszillation (NAO)
Das Zusammentreffen all dieser Ereignisse führte in Europa zu kälteren Wintern und kühleren, feuchten Sommern.
Im Jahr 1345 wird das "Gut in der Grub" im Archivbericht der Pfarrkirche von Münster erwähnt. Paertl von Lichtenwerd verkaufte das Gut, ein Lehen des Bischofs von Regensburg, an Ulrich Häcklein, wodurch es wieder in Privatbesitz kam. 1395 wurde das Gut abermals an die Kirche von Reith verkauft und scheint urkundlich 1416 wieder auf.
Im Rattenberger Salbuch von 1416 wird das "Grüb" zu den Besitzungen der Pfarrkirche von Münster gezählt. Erwähnenswert ist hier, dass das "Grüb" eine Abgabe von "3 gelten pämöl = 15kg Olivenöl) an die Pfarrei Münster zu entrichten hatte. Dies ist die einzige Erwähnung des Olivenölanbaus in ganz Nordtirol und entspräche in etwa dem Ertrag eines Olivenhaines von 30-40 Bäumen auf einer Fläche von ca.2000 m2, ein weiterer Hinweis auf das besondere Mikroklima in Mehrn. Diese Olivenbäume stammten wahrscheinlich noch aus der spätrömischen Siedlung mit dem Namen Masciacum, (Namensgebung von Schloss Matzen), welche vermutlich im Bereich Mühlbichl / Mehrn angesiedelt war. Die sinkende Temperatur erreichte Mitte des 16. Jahrhunderts seinen Tiefpunkt und die mittlere Temperatur betrug etwa 3°C weniger als noch im 14. Jahrhundert. Die Anbauflächen veränderten sich, die Qualität des Weines verschlechterte sich und die frostigen langen Winter wurden zu hart für die Olivenbäume.
Nun befinden wir uns in einer völlig anderen Epoche von Brixlegg. Mit dem Niedergang der bäuerlichen Strukturen erlebte die Region aber gleichzeitig auch das Wirtschaftswunder des Spätmittelalters, den Kupfer- und Silberbergbau. Jetzt waren es weniger die Bauern als vielmehr die Handwerker, die die Wirtschaft in der Hand hatten. Zu Beginn dieser Bergbauepoche standen die Stampfwerke und Schmelzöfen in Mehrn entlang des Eisenbachs und nutzten im Mittelalter die Wasserkraft als Energiequelle. Aus dieser frühen Bergbauepoche stammt auch der sogenannte "Kasten", der sich auf dem Gelände der Obergrube befindet. Oberhalb der eisenbeschlagenen Eingangstür des „Kastens“ stand einst die Jahreszahl 1156. Demnach ist der „Kasten“ 870 Jahre alt und wurde zu Beginn der hochmittel-alterlichen Bergbauperiode gebaut. Bei genauerem Hinsehen fallen die winzigen, mit massiven Eisengittern versehenen Fenster auf, ebenso wie die eisenbeschlagene Eingangstür, die in einen Tuff-/Granit-Türrahmen eingelassen ist. Ab dem 15. Jahrhundert wurde in dieser Gegend überwiegend „Kramsacher Marmor" als Baumaterial für Türportale und Fenster verwendet. Dies ist ein weiterer Beweis für das hohe Alter dieses Gebäudes, welches als Tresor für das gewonnene Kupfer und Silber sowie als Schreibstube des Verwalters diente. Im Keller des „Kastens" befand sich auch der Weinkeller der Grube, die letzten Fässer wurden von meinem Großvater in den 1950er Jahren entfernt. Auf dem gesamten Areal der Obergrube gibt es keinen weiteren Keller zur Lagerung von Lebensmitteln, so dass die Einheit von Gehöft und Kasten gegeben ist.
Das jetzige Wohngebäude/Bauernhaus wurde höchstwahrscheinlich in dieser frühen Phase der Verwendung von Kramsacher Marmor gebaut. Ab dem 16. Jahrhundert bis 1710 besaß die Gewerkenfamilie der Pinzger das Anwesen, sie war sehr wohlhabend und hat wahrscheinlich sowohl das Bauernhaus gebaut als auch den Kasten renoviert. Sie hinterließen uns die schönen Wandmalereien im Inneren des Kastens sowie das Renaissance-Gemälde im Flur der Obergrube. Das von zwei Wächterlöwen getragenen Wappen zeigt einen Olivenzweig sowie eine Weinrebe und ist ein Hinweis auf die offensichtlich damals noch existierenden Olivenbäume. Die Gemälde im Kasten zeigen die Jahreszahl 1604 sowie die beiden Wappen der Familie Pinzger.
Im Jahr 1730 verkaufte Elisabeth Pinzger das Anwesen an Thomas Margreiter. Im Grundbuch von 1775 wird das geteilte Gut von Ober- und Untergrube erstmals erwähnt, somit fällt die Teilung des Gutes in die Zeit von Lorenz Margreiter zwischen 1761 und 1775.
Im Jahr 1730 verkaufte Elisabeth Pinzger das Anwesen an Thomas Margreiter. Im Grundbuch von 1775 wird das geteilte Gut von Ober- und Untergrube erstmals erwähnt, somit fällt die Teilung des Gutes in die Zeit von Lorenz Margreiter zwischen 1761 und 1775.